Berichte
Auf dieser Seite finden Sie Berichte über Aktivitäten unserer Gemeinde, Gemeindefeste und Basare sowie interessante Vorträge.
Der schwarze Adler
Refereat von Herrn Wilfired Ludwigs beim Männerfrühstück am 16.09.09Einleitung
Meine Herren,
ich möchte sie einladen, mir auf ein paar Gedankengängen durch das historische Preußen zu folgen, um daraus etwas zu schöpfen, was vielleicht ein wenig zum nachdenken anregt. Dazu folgender Prolog.
Dieses Jahr ist aus meiner Sicht bis jetzt ungeheuer schnell vorbei gegangen. Es hat viele Veränderungen gebracht; nicht zuletzt eine der größten Krisen, die wir als Staat und Gesellschaft erlebt haben und sie ist ja noch nicht abgeschlossen - (Finanzkrise). Sie geht an die Grundfesten unseres Staatsgebildes und der internationalen Finanzbeziehungen und -strukturen; wir sind, denke ich, im Einklang mit allen unseren politischen Partnernationen bereit, alles in Frage zu stellen und bereit, viele dieser Strukturen ordentlich umzukrempeln. Wir werden sehen, was übrig bleibt bzw, wo wir bleiben. Dem ein oder anderen mag es so gegangen sein wir mir: Nicht immer konnte ich allen Geistesblitzen unserer Politiker und geistigen Führer folgen, es fehlte häufig an vollständigen Informationen, zu schnell kamen die Antworten, wurde scheinbar Widersprüchliches vorgelegt, beschäftigte uns die ein oder andere Frage immer wieder, ohne wirklich gelöst zu werden, wurde Frust geschürt, waren wir vielleicht einfach nur ein wenig zu wenig sorgfältig im Nachdenken, zu ungeduldig, rat- bzw. mutlos, häufig wie am Stammtisch auf den "ollen" Staat schimpfend. [Am Rande bemerkt: Derweil und unterdessen geht es uns gut, wir sprechen im gleichen Atemzug auch über unsere tollen neuen Autos, den nächsten Urlaub und den neuen PC oder Photoapparat].
Stimmt alles, werden mir die einen zustimmen, alles Blödsinn, werden andere sagen - und alle haben irgendwie Recht. Eine wesentliche Bedeutung eines solchen Staatsgebildes, eines Staates liegt in seiner Existenz, liegt darin, dass es ihn gibt. Denn nur mit einem solchen Instrument können wir die gewaltigen Herausforderungen einer Gesellschaft im globalen Wettbewerb, im Wettbewerb der freien Interessen und Ideen und im globalen Sicherheitsgefüge unserer Zeit meistern, - ohne einen funktionieren Staatsapparat könnte dieses nicht gelingen. Schon dadurch, dass es ihn gibt, dient er diesem Zweck, eben unter genau diesem Begriff: dem "Dienen" verpflichtet oder noch genauer gesagt, der Wohlfahrt seiner Bürger, aller Bürger zu dienen; das ist sein Gründungszweck und zugleich seine einzige Existenzberechtigung. (Das heißt natürlich lange nicht, dass man mit allem einverstanden ist, was er produziert, natürlich nicht, aber das ist heute nicht mein Thema.)
Mir geht es heute um den Begriff des Dienens, wie sie bald erkennen werden. Und wenn wir als selbstbewusste Bürger sagen, "Wir sind der Staat", verpflichten wir uns gleichzeitig dazu, auch selbst Dienst zu leisten, uns in seinen Dienst zu stellen und uns letztlich dieser Idee unterzuordnen. Zu diesem haben sich alle s.g. Staatsdiener, ich weiß ja das einige von Ihnen ehemalige Staatsdiener sind, wie ich ja auch noch, sogar durch einen Eid verpflichtet, das treue Dienen war und ist uns Gebot. - Wir wissen aber natürlich auch, dass der Begriff und sein Anspruch nicht besonders attraktiv sind in den s.g. modernen Zeiten, ja er ist ganz und gar aus der Mode gekommen.
Im alten Preußen war das völlig anders.
Dort durchzog er das Leben jedes Einzelnen so zentral wie er gleichzeitig jeden Winkel des preußischen Staates durchzogen hat. Alleine schon deshalb lohnt es sich, einmal vergleichend darüber nachzudenken.Ich habe die folgenden Gedanken einem Buch des Historikers Sebastian Haffner entnommen und zu diesem Vortrag verarbeitet. Das Buch heißt "Preußen ohne Legende", in Neudeutsch würden wir sagen: Keine Stories, Facts only. Um den Autor ein wenig einordnen zu können, füge ich an: Sebastian Haffner, mit richtigem Namen Raimund Pretzel, musste aus Nazideutschland fliehen, weil seine Frau für eine Jüdin gehalten wurde und hat lange in London gelebt und gearbeitet. Dort angekommen, erregte er durch sein erstes Buch (Germany. Jekyll and Hyde.) eine solche Aufmerksamkeit bei Churchill, dass dieser es seinem ganzen Kabinett zur Pflichtlektüre machte. Haffner wurde später Chefredakteur des "Observer" und ließ sich einbürgern. Nach dem Krieg aber überwarf er sich mit seinen Chefs und auch Churchill über die Berlinfrage und kehrte nach Deutschland zurück; er schrieb für "Christ und Welt", für den Stern und schließlich wurde er Chefredakteur der "Welt" und wiederum Deutscher, Dauergast bei Werner Höfer im "Internationalen Frühschoppen". (Hinweis auf Quelle).Zwei andere seiner Bücher zur Ergänzung: "Die Geschichte des Widerstandes im zweiten Weltkrieg" und "Anmerkungen zu Hitler" - alle drei halte ich für mehr als empfehlenswert. Soweit zur Einführung.
Beginnen möchte ich mit einem Rätsel:
Man sah ihn im alten Bundestag immer groß und schwarz, im neuen Bundestag ist er sehr viel blasser, geradezu dezent, schon bedeutungslos? - Er macht aus der deutschen Fahne des Fußballfans die Bundesdienstflagge. Was ist das?
Nun, sie haben es schon erkannt und kennen die Antwort, sie ist das Thema meines Vortrags: Es ist der schwarze Adler - also tatsächlich für uns ein Staatssymbol, doch verknüpft mit den gleichen Inhalten seiner Ableitung und Herkunft, die in Preußen lagen ??? ( Beispiel Flagge)
Sie fragen sich: Was hat das alles mit dem Hier und Heute und meiner zugegebenermaßen langen Einleitung zu tun ? -- Hier ist die Antwort; bitte hören sie gut zu, es wird nicht gerade einfach, ich werde Ihnen einiges abverlangen an Konzentration und Durchaltevermögen.Der höchste preußische Orden war der so genannte "Schwarze Adler", ein großer viel gezackter Stern mit einem Adler in der Mitte. (Zeigen)
Er wurde von König Friedrich I am Tage seiner Selbstkrönung 1701 gestiftet. Er trägt die lateinischen Worte: " SUUM CUIQUE".
In der freien Übersetzung lautet das etwa: Jedem das seine! - Das kommt uns sehr bekannt vor und wird ja auch umgänglich häufig genug gebraucht. Jeder kriegt das, was er verdient; aber auch jeder kriegt das, was ihm zusteht. Gemeint ist damit: "Jedem das seine, mir das allermeiste!" Daraus werden dann Forderungen abgeleitet, Ansprüche gestellt:
Ich habe einen Anspruch auf dieses und jenes, du Staat, mach mal! So wird in einer postmodernen Sozialgesellschaft dann leicht daraus: Jeder kriegt was, auch was andere verdienen, alle haben einen Anspruch auf das gleiche - zum Schluss hat keiner mehr etwas und darin sind sich alle gleich!(Am Rande: Ein guter Freund übertrug diese Sätze - und den Hintergedanken dazu - ins Englische; aus dem Satz: "Everybody gets what he deserves" wurde dann: "Everybody gets a desert".)
Nein, jeder der nur einen Funken Ahnung von der preußischen Geschichte, von der "Idee Preußen" hat weiß, dass das wahrscheinlich so nicht gemeint war.
Ich biete eine zweite Interpretation an.
Preußen war im Vergleich zu den anderen europäischen Mächten ein äußerst liberaler Staat, modern und fortschrittlich (wie wir später auch noch sehen werden). "Jedem das seine" hieß denn auch: "Jeder soll nach seiner Fa?on selig werden", wie sich der König selbst auszudrücken beliebte; - was dem Staat nicht schadet, darin mischt er sich nicht ein, solange es der Staatsräson dient, zweckdienlich ist oder die Effizienz des Staates steigert; aber eben nur und ausschließlich unter dieser Prämisse! Staatsräson, effizient, zweckdienlich! - Das sind die Schlüsselworte.Das extreme Beispiel ist folgende wahre Geschichte von einem Kavalleristen.
(Die Geschichte ist zwar ein wenig anrüchig, darf aber erzählt werden, weil sie historisch belegt ist.)Also: dieser Kavallerist hat Sodomie mit seinem Pferd getrieben. Sodomie galt im Europa des 18. Jahrhunderts als das ziemlich entsetzlichste Verbrechen schlechthin, das überall mit verschärfter Todesstrafe geahndet wurde. (Damit ist Folter gemeint.)
Friedrich der Große aber, der nicht einen Soldaten außerhalb des Schlachtfeldes verlieren wollte, verfügte:" Man versetzte das Schwein zur Infantrie."( Das mag im preußischen Heer wohl auch Strafe genug gewesen sein.)
Aber würde der König wohl einen Orden für besondere Liberalität verliehen haben? Wohl kaum! Im Grunde beruht diese Liberalität des preußischen Staates nur auf einer kalten Gleichgültigkeit gegenüber seinen Bürgern.
Nein, den Schlüssel für diese Inschrift müssen wir woanders suchen. Wir finden ihn, wenn wir uns mit Preußens ersten beiden Königen und dem Staat selbst näher befassen, der 1701 proklamiert wurde.
Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig und Friedrich I, genannt "Der Große", Vater und Sohn: schauen wir sie an!Die Leistungen dieser beiden preußischen Könige sind außerordentlich, im historischen Rückblick nicht weniger als sie es damals für ihre staunenden Zeitgenossen waren. Und doch trifft es den Kern der Sache nicht, wenn man das klassische Preußen des 18. Jahrhunderts, das da plötzlich wie aus dem Nichts in die Weltgeschichte trat und sich dann auf der Landkarte ausbreitete wie ein Ölfleck, einfach als das persönliche Werk dieser beiden Könige darstellt. Der Zeitgeist hat da mitgewirkt - der Geist der Staatsvernunft, der Staatsräson, der damals in ganz Europa herrschend wurde und einen solchen künstlichen Vernunftsstaat wie Preußen begünstigte, ja geradezu nach einem solchen Musterstaat verlangte. Preußen segelte damals vor einem starken Wind. Es war nicht nur neu, es war modern, beinahe könnte man sagen: Es war schick!
Und noch etwas hat mitgewirkt, vielleicht sogar entscheidend: Die schiere Notwendigkeit, der Selbsterhaltungstrieb, der jedem Staatswesen angeboren ist wie jedem Menschen und der im Fall eines so unorganischen, so zufällig zusammen gewürfelten Gebildes ( wie es das 1701 proklamierte Königreich Preußen immer noch war ) zur Arrondierung und Gebietserweiterung, also zur Eroberung, einfach zwang ( - aus der Sicht, nur aus dieser Sicht der damaligen Zeit, möchte ich betonen). [Hinweis auf Titel ]
Weder der Vater noch der Sohn handelten dabei eigentlich aus einem inneren Antrieb, aus der schöpferischen Willkür des Genies, das eine persönliche Vision verwirklichte. Sie handelten vielmehr alle beide unter einem harten Sachzwang, den auch ihre Mitarbeiter und sogar viele ihrer Untertanen irgendwie empfunden haben müssen; sonst wären die inneren Widerstände in Preußen viel stärker und der Erfolg wäre weniger durchschlagend gewesen. Sicherlich, man muss sich gerade im Falle Preußen von mystischen Vorstellungen, von historischen Gesetzmäßigkeiten und Vorbestimmtheit hüten: An diesem Staat war nie etwas historisch gesetzmäßig vorbestimmt, seine Bestandteile hatte der Zufall zusammengefügt, er war nicht gewachsen, er wurde gemacht. Aber dass er gemacht, bzw. permanent gestaltet werden musste, wenn dieses Zufallsprodukt nicht wieder zerfallen sollte und dass er sich ausdehnen musste, um auch nur bestehen zu können, das lag so sichtlich auf der Hand für den König wie für den einfachsten Untertanen, dass dagegen nicht anzukommen war.
Und insofern kann man, ohne in mystische Vorstellungen zu verfallen, doch sagen, dass die "Idee Preußen", das "Programm Preußen", damals eine ungreifbare unpersönliche, aber immer präsente Macht ausübte, die Könige wie Untertanen in ihren Dienst zwang.
Gerade die beiden großen preußischen Könige sind dafür das Beste Beispiel. Sie haben beide den Dienst an dieser unverschämt fordernden, aber durch ihre Vernunft zwingenden preußischen Staatsidee als etwas Ungesuchtes, Auferlegtes sogar Persönlichkeitsfremdes empfunden und sie sind beide durch diesen Dienst in ihrem Charakter verformt und entstellt - ins Böse entstellt worden. Friedrich Wilhelm I. zum Beispiel hatte die seltsame Gewohnheit vom König von Preußen in der dritten Person zu sprechen. Zitat: "Ich will der Generalmeldmarschall und Finanzminister des Königs von Preußen sein. Das wird dem König von Preußen gut bekommen." -Zitat ENDE-
Und diese Tyrannei des Königs von Preußen, der er sich (selbst) unterwarf, machte aus dem derb frommen, biederen, polternden, im Grunde gutmütigen Mann selbst einen Tyrannen. Sie bringt das Treibende und Getriebene in seine Lebensäußerungen und seinem Regierungsstil, das nie Zufriedene, Gewalttätige, Jähzornige, die wilden Gebärden, das Prügelregiment, die Ungeduld, das ewige "Cito! Citissimo!" zum Ausdruck. (Cito ist ebenfalls lateinisch und heißt soviel wie schnell, schnell - "Zack, Zack" ist wohl daraus abzuleiten)Als irgendwelche Kriegs- oder Domänenräte gegen eine königliche Order Einwände machen, bricht dieser König von Preußen aus: "Die Leute wollen mir forcieren. Sie sollen nach meiner Pfeife danzen oder der Deuffel hole sie mir. Ich lasse sie hängen und braten wie der Zar und traktiere sie wie Rebellen."
Und dann kommt plötzlich wieder der private Friedrich Wilhelm durch. "Gott ist bekannt, dass ich es ungerne tue und zwei Nächte nit recht geschlafen habe."
Ein Biedermann, den der Staatsdienst zum Wüterich macht.Das war Friedrich Wihlem I. Und nun erst Friedrich der Grosse! Seine Worte: "Der König ist der erste Diener (in der Urfassung heißt es Hausknecht) des Staates" ist bekannt und erinnert an einen anderen Ausspruch Friedrichs, den er ebenfalls in vielen Variationen wiederholt hat. "Wie verabscheue ich dieses Handwerk, zu dem mich der blinde Zufall meiner Geburt verdammt hat!"
Friedrich war von Hause aus ein Schöngeist, ein "Philosoph" (heute würde man sagen: ein Intellektueller) und ein Humanist. Daher in seiner Kronprinzenzeit der furchtbare Konflikt mit seinem Vater. (Heinrich von Kleist: Der Prinz von Homburg). Die Uniform, in seinem späteren Leben seine ausschließliche Kleidung, nannte er anfangs angeekelt einen "Sterbekittel". Das Flötenspiel, die Kunstliebe, der von aufgeklärter Menschenfreundlichkeit geradezu triefende Mensch, die enthusiastische Freundschaft mit Voltaire, die sich überstürzenden humanitären Erlasse bei seinem Regierungsantritt (z.B. Abschaffung der Folter), das ist nicht Maske oder generöse Laune, das ist der eigentlich Friedrich, sein ursprüngliches Wesen.
Er opferte es auf, opferte es dem "Abscheulichen Handwerk", zu dem er sich verdammt sah - opferte es genauer gesagt der preußischen Staatsräson, die von ihm verlangte Machtpolitik zu treiben, Kriege zu führen, Schlachten zu schlagen, Gebiete zu raffen, Bündnisse und Verträge zu brechen, Geld zu fälschen, aus seinen Untertanen und seinen Soldaten und nicht zuletzt aus sich selbst das Letzte herauszuholen. Kurz und gut, der König von Preußen zu sein. Er verbitterte darüber. Er wurde kein Wüterich wie sein Vater, aber er wurde ein eisiger Zyniker, ein boshafter Quälgeist seiner Umgebung, keinen Menschen liebend, von keinem geliebt, bitter, gleichgültig gegen die eigene Person, ungepflegt, unsauber, immer in der selben abgetragenen Uniform, dabei immer noch geistvoll aber voll eines trostlosen Geistes der Verneinung, im Innersten tief unglücklich; zugleich rastlos tätig, immer im Dienst, immer auf dem Posten, unermüdlich an seinem verabscheuten Handwerk, ein großer König bis zum letzten Atemzug - mit zerbrochener Seele!
Etwas von dem Wesen dieser beiden Könige - von Vater und Sohn - ist in den Staat eingegangen. Ein rauher Vernunftsstaat, grob gezimmert, ohne den Charme Österreichs, die Eleganz Sachsens, die Urwüchsigkeit Bayerns; man könnte sagen: ein Staat ohne Eigenschaften und doch, im preußischen Jargon gesprochen, "nicht janz ohne". Dieses klassische Preußen erweckt von außen gesehen keine Begeisterung, eher Abneigung, allenfalls Respekt. Aber je näher man es sich ansieht, umso interessanter wird es.
Etwas sehr Treffendes, das über diesen Staat gesagt worden ist, steht im Buch des schlesischen Germanisten und Slawisten Arno Lubos: "Deutsche und Slawen" (1974). Jedes Wort trifft ins Schwarze. Lubos betrachtet den preußischen Staat vom Standpunkt der vielen Polen aus, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts unfreiwillig Preußen wurden. Was er sieht, ist folgendes:(Zitat) "Preußen präsentierte sich seinerzeit als ein außergewöhnlicher Staat der Disziplin, der Subalternität, des militärischen Exerzitiums, des korrekten Beamtentums, der loyalen Aristokratie, der unbestechlichen, aufgeklärt - humanitären Jurisdiktion, der unterschiedslosen Räson, des perfekten Verwaltungsapparates, des Entsagungen fordernden, kalvinistisch und protestantisch geprägten Puritanismus und einer kosmopolitischen und interkonfessionellen freigeistigen Tendenz. Ein großes Ideenkonglomerat, geschaffen von vier einander sehr unähnlichen Fürsten, bot sich unter dem Begriff der Krone und des Territoriums als Einheit dar. Preußen charakterisiert sich dadurch, dass es - im Gegensatz zu den durch gleiche Abstammung geformten und zusammengehaltenen Ländern - staatsbildende und staatsfördernde Maximen und Ideen hervorbringen musste, um zu bestehen und nur durch diese existent war, dass es eine nie verleugnete Differenziertheit besaß und als Gegengewicht ein besonders drastisches Obrigkeitsprinzip entwickelte.
Es gab kein preußisches Volkstum, keinen leitbildhaften Vorrang eines Volkstums, keinen einheitlichen Dialekt, keine dominierende Folklore. Das Vielartige konnte geradezu als das Wesentliche angesehen werden, wenngleich umso mehr die verbindende Autorität der Krone und der Staatsorganisationen betont werden mussten. Die Autorität leitete sich jedoch nicht aus geschichtlichem und dynastischem Anrecht, sondern aus der Funktionsfähigkeit des Staatsganzen her, aus der Leistung des Fürstenhauses, der staatlichen Institution und der Schichten des Volkes. Der Staat definiert sich durch den Auftrag, den er jedem gab, sich in ihn einzuordnen und für ihn tätig zu sein. Er verhieß machtpolitischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fortschritt auf der Basis eines allgemeinen Leistungswillen. Die Verneinung des Leistungswillens ahndete er als eine Gefährdung seiner Existenz. Er verlangte eine totales Bekenntnis, eine absolute Unterordnung und Dienstbereitschaft. Er konzedierte Freiheiten nur und sofern diese im Staat begründet war. " Soweit Arno LubosDer preußische Staat des 18. Jahrhunderts verlangte von seinen Untertanen keine Begeisterung, er appellierte nicht an Vaterlandsliebe, Nationalgefühl, nicht einmal an Traditionen (er hatte ja keine), sondern ausschließlich an ihr Pflichtgefühl.
Der Staat stellte jedem Bürger, vom König bis zum letzten Untertanen, eine Aufgabe, auf deren Erfüllung er ihn streng verpflichtete. Und zwar jedem Stand eine andere. Der eine hatte dem Staat mit Geld zu dienen, der andere mit Blut. Einige auch mit "Köpfchen", aber alle mit Fleiß. In der Erzwingung dieser Pflicht war der Staat unnachsichtig.Soweit zur preußischen Geschichte.
Nun, glaube ich, können wir das Geheimnis dieser zwei Worte der Inschrift begreifen:
"Jedem das seine" heißt nichts anderes als: Jeder hat seine Aufgabe, seinen Auftrag, seinen Teil beizutragen zur gemeinsamen Sache. "Seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit" zu tun, wie es der alte Fritz formulierte; seinen Teil der Staatslast zu tragen, dem Staat und seiner Gemeinschaft zu dienen und sich zu opfern, wann und wo erforderlich, wie der König selbst diesem diente und sich opferte. Und wer sich hierbei besonders hervortat, der treueste Diener seines Staates war, sich in selbstloser Pflichterfüllung aufopferte, der bekam ihn: den schwarzen Adler!Nur so und vor diesem Hintergrund kann man seine Inschrift verstehen! Nur so macht sie einen Sinn!
An dieser Stelle müsste man eigentlich eine kleine Pause einlegen, um die fulminante Wucht dieser Gedanken in sich nachhallen zu lassen.
In der Kirche folgt nach der Predigt immer ein Lied, um eben diese Gelegenheit zu geben. Hier fehlt leider - oder Gott sei Dank! - die Orgel und vorsingen möchte ich ihnen auch nicht.Ich hoffe aber doch sehr, dass diese ganze Ungeheuerlichkeit des Anspruchs des preußischen Staates an seine Bürger und an seine Könige deutlich geworden ist, zusammengefasst und auf den Punkt gebracht in diesem einen Wort "dienen". Und ich denke, dass es ihnen so geht wie mir, als ich mich das erste Mal mit diesem Thema beschäftigte: Es müssen sich geradezu Vergleiche aufdrängen; was bedeutet für uns der Begriff "Dienen" und tragen wir vor diesem Hintergrund und mit dieser Bedeutung noch zu Recht den schwarzen Adler in unserer Flagge und erheben ihn zum Staatsymbol? Ich will die Frage von dieser Stelle aus gar nicht beantworten, überlasse das vielmehr den wirklichen Fachleuten und ihrer Phantasie und ihrem Gewissen. Es dürfte jedoch wohl klar sein, dass wir wohl nicht in die Nähe des preußischen Staatsverständnisses kommen und auch nicht kommen können. Vernünftigerweise ist dieser Begriff ausschließlich vor seinem historischen Hintergrund, in seiner Zeit zu sehen und zu bewerten und kann nur dort eine richtige Einordnung erfahren. Es dürfte aber jedoch auch klar sein, wo wir in Bezug auf die Auslegung des Begriffs Dienen nach Vorbildern suchen können, gerade auch und ganz besonders, wenn man berücksichtigt, wie die Menschen damals gelebt haben. Und vielleicht erinnern wir uns daran, das ist meine Anregung heute, wenn wir mal wieder auf den Staat, auf die Verhältnisse zu schimpfen oder zu lamentieren geneigt sind, frustiert, gelangweilt oder einfach nur schlecht drauf. ---- Im Vergleich zu der Masse der Menschen damals geht es uns gut, unendlich gut !! Und wenn wir nicht dem Staat dienen können oder wollen, haben wir nicht viele Gründe den Menschen zu dienen? Auch wir dürfen dienen, erfüllen einen Zweck, dürfen auch mit Genugtuung und vielleicht ein wenig mehr Gelassenheit auf das Erreichte zurückschauen - in ganzen anderen, viel komplexeren Zusammenhängen und Zeitbegriffen oder auch in ganz bescheidenen Maßstäben.
Nein, uns geht es gut, bewahren wir uns wenigstens die Dankbarkeit.Schließen möchte ich mit den Worten eines anderen großen Preußen, der den damaligen Zeitgeist und den Gehalt meines Vortrags wunderbar auf den Punkt bringt, viel besser als ich es vermag.
Ich zitiere den Freiherrn von Moltke:"Nicht der Glanz des Erfolges, sondern die Lauterkeit des Strebens und das treue Beharren in der Pflicht, erst, wird den Wert eines Menschenlebens entscheiden."
Wenn es nach mir ginge, würde ich gerne diese Inschrift an die Rückwand des neuen Plenarsaals in Berlin werfen , ganz besonders in Wahlkampfzeiten.Ich danke für Ihre Geduld.
"Schwarze Messen im Betonklotz"
Die evangelische Emmauskirche in Heisterbacherrott von 1989Lesen Sie den hervorragenden Beitrag unseres ehemaligen Vikars und jetzigen Pfarrer i.E. Dr. Weitenhagen über einen interessanten Teil der Geschichte unserer jungen Gemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott. Dieser Artikel erschien im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2009. Herausgeber: Rhein-Sieg-Kreis, Der Landrat. Edition Blattwelt, Niederhofen. Mit freundlicher Genehmigung des Landrats des Rhein-Sieg-Kreises als Herausgeber des Jahrbuchs durften wir diesen Artikel auf unserer Homepage veröffentlichen.
Pfarrer i.E. Dr. Weitenhagen schildert in interessanter Weise die turbulente Vorgeschichte des Kirchenbaus in Heisterbacherrott. Ebenso wird die architektonische und künstlerische Seite behandelt.
Klicken Sie hier und erfreuen Sie sich an den mit vielen Bildern wunderbar gestalteten Beitrag.
Das Männerfrühstück und Marc Chagall
Die Gruppe des Männerfrühstücks wird das Werk Marc Chagalls theoretisch und praktisch behandeln.
Dazu ist am Mittwoch, den 15.07.2009 im Rahmen des regelmäßigen Treffens der Vortrag der Kunsthistorikerin Judith JOOS zum Werk von Marc Chagalls vorgesehen. Um diese theoretische Begegnung zu vertiefen werden wir am Mittwoch, den 29.07.2009 mit dem Bus nach Mainz fahren, um der Meditation von Msgr. Klaus Mayer in der kath. St. Stephan-Kirch beizuwohnen.
Im Anschluss daran ist eine Begehung des Mainzer Domes vorgesehen, wobei uns Gert Hammer mit der Geschichte des Gotteshauses vertraut machen wird. Danach werden zum nahe gelegenen Kloster EBERBACH fahren. Dort ist eine Besichtigung und anschließendes Kaffeetrinken geplant.
Das Männerfrühstück lädt zu beiden Anlässen auch Teilnehmer außerhalb dieses Kreises an.
Anmeldungen werden erbeten an: Winfried Pernau, Tel.: 02244 87 12 36, e-mail: winfried.pernau@t-online.de
"Die Region SYRIA", Schmelztiegel der Kulturen und Treffpunkt der Großmächte
Referat von Winfried Pernau im Rahmen des Männerfrühstücks am 20.05.2009Eine Reise im Frühjahr 2008 war Auslöser für das folgende Thema der Begegnung mit einer Vielzahl von Kulturen, bedeutenden historischen Ereignissen. Es wird kein Anspruch auf geschichtliche Vollständigkeit erhoben. Geschichtszahlen sollen nicht im Vordergrund stehen, sonder die Tatsache, dass immer wieder politische Macht bzw. Machtvakuum Begehrlichkeiten geschaffen haben. Soweit möglich, sollen besondere bibliche Ereignisse mit den geschichtlichen Hergängen in Verbindung gebracht werden.
Das bekannte Zitat des HERAKLIT von Ephesus, der um 540 vor. Chr. geb. sein soll, PANTA RHEI, zieht sich wie ein roter Faden durch die folgende Darstellungen: nämlich als Inhalt für politische und wirtschaftlichen Veränderungen. Durch die Region Syria sollen etwa 36 verschiedene Kulturen gezogen sein. Dadurch vollzog sich ein ständiger Wechsel des Kulturgutes und der Sprachen.
Der Name SYRIEN geht auf die Stadt ASSUR im heutigen IRAK am Tigris zurück, mächtige Stadt bereits 2.500 vor Chr., daraus ist Assyrien entstanden, die Griechen haben diesen Namen übernommen.
Die geographische und topographische Lage haben weitgehend die Entwicklung des Landes bestimmt.
Nunmehr soll der Einstieg in die Geschichte erfolgen: In der 1.Hälfte des 3. Jts: Stadtstaaten bestimmen das Geschehen:
MARI strategisch günstig am Euphrat- Fluss gelegen, war einflussreichste Stadt der damaligen Region Syrien . Politisch und wirtschaftlich war MARI tonangebend. Es wurden rund 25.000 Tontafeln gefunden, die ein umfangreiches Geschichtsbild über die ökonomischen und politischen Gegebenheiten der damaligen Epoche aufzeichnen. Durch frühere Brände in den Archiven wurde die Überlieferung erst möglich. Denn die weichen, ungebrannten Tontafeln wurden somit ungewollt für die Nachwelt dauerhaft gebrannt.
Doch schon beginnen Machtansprüche Platz zu greifen: MARI wird noch während des 3. Jt. von dem Stadtstaat EBLA abgelöst. An der Nord-Südverbindung in der syrischen Hochebene zwischen der Wüste und den Libanon-Bergen gelegen hatte EBLA einen strategischen wichtigen Standort, auch hier wurden rd. 19.000 Tontafeln gefunden.
Die Tontafelfunde bestimmen auch weiter mein Thema: nach der bisher angewandten Keilschrift wurde in UGARIT um 1.300 vor. Chr. das 1. Alphabet mit 30 phonetischen Zeichen in fester Reihenfolge, Schreibweise von links nach rechts entwickelt. Damit war ein wesentlicher Schritt zur leichteren Anwendung der Schrift allgemein erreicht. Innerhalb kurzer Zeit konnten die Interessierten schreiben und lesen. Die Abfassung von Handelsverträgen in einer einfacheren Schrift ließ den Handel aufblühen. Als bedeutender Handelshafen am Mittelmeer, im syrischen Raum gibt es für Häfen keine große Auswahl, war der Hafen Ugarit seit dem 2. Jt. durch den Seehandel mit Ägypten verbunden .
Etwa 1.800 vor Chr. entwickelte sich, nach dem bisherigen Handel zu See nunmehr der Warentransport auf Landwegen. Grund: Das Domestizieren der Dromedare. Womit die Entstehung der sogen. Seiden- und Weihrauchstraße verbunden war. Mit Beginn der Bronzezeit gewann die Landverbindung zwischen den innerasiatischen Gebieten und dem Mittelmeer, die SEIDENSTRASSE. einerseits und zwischen dem Gebiet des heutigen Oman zum Hafen von Gaza und nach Damaskus andererseits, die WEIHRAUCHSTRASSE, an Bedeutung. Beide Routen treffen sich in der Region Syrien und trugen somit zur Bedeutung der dortigen Handelsplätze bei. Neben dem Warenaustausch waren die kulturellen Kontakte wie auch die Übermittlung von Kenntnissen (z.B. Metallgewinnung) von wesentlicher Bedeutung. Somit begann der Schmelztiegel der Kulturen. Und wir sind bei der Themenstellung direkt angelangt.
Zwischen 1850 - 1700 gelangen semitische Nomaden (Hebräer) aus dem Zweistromland von UR nach Palästina, einer ihrer Anführer war ABRHAM.
1750 wird das neue MARI durch HAMURABI aus Babylon zerstört und eine Dynastie von ALEPPO entsteht, die 100 Jahre andauert
1285 stoßen wieder einmal 2 wichtige Machtblöcke aufeinander: in der Schlacht von KADESCH, streiten nämlich die Hethiter aus Anatolien und die Ägypter unter RAMSES II. um die Vorherrschaft im syrischen Raum. Die Schlacht ging unentschieden aus und bescherte der Region dadurch einen entsprechenden Vertrag über 100 Jahre Frieden. Hierdurch entstand ein wesentlicher kultureller Einfluss Ägyptens.
Um 1200 brach die Vorherrschaft der vorderorientalischen Großmächte durch die Invasion der sogen. Seevölker, die wahrscheinlich aus Sardinien bzw. Sizilien kamen, zusammen. Die genaue Herkunft ist nicht nachgewiesen. Ramses II gelang es, in der Schlacht im Nildelta 1177 die Seevölker zu schlagen und sie danach im Gebiet des heutigen Israel/Palästina anzusiedeln. Der Name Palästina leitet sich vom Seevolk der Philister ab.
Der syrische Staatenpluralismus blühte mit der aramäischen Völkerwanderung erneut auf. Die kulturelle Bilanz blieb bescheiden, jedoch dominierte die aramäische Sprache, die später auch die Sprache Christi werden sollte, für mehr als ein halbes Jahrtausend den großsyrischen Raum. Heute besteht nur noch ein eng begrenzter Raum, in dem Aramäisch gesprochen wird: in der Stadt MAALULA, in den Bergen nördlich von Damaskus. Die Bedeutung der aramäischen Sprache zeigte sich insbesondere durch ihre Anwendung im Handel mit fernen Ländern.
721 - 705 befand sich Assyrien auf der Höhe seiner militärischen Macht und beherrschte die Region Syrien.Mitte des 1. Jt. wurde Syrien erneut Provinz eines persischen Großreiches, das im Osten bis Baktrien (etwa das heutige Afganistan), im Westen bis Kleinasien und Zypern sowie auch Ägypten umfasste. Damit waren die beiden Hochkulturen und Erzrivalen, die über Jahrtausende um die Vorherrschaft über Syrien gerungen hatten, zu einer politischen Einheit zusammengefasst. Eine Wende trat erst mit der Schlacht bei ISSOS im Jahre 333 zwischen dem Perserkönig DAREIOS III und dem Mazedonierkönig Alexander statt, ein. ISSOS ist eine Hafenstadt in der äußersten östlichen Ecke des Mittelmeeres, heute Türkei, jedoch nahe der syrischen Grenze. Alexander eroberte nunmehr ein Riesenreich, das sowohl Ägypten wie auch Persien bis zum Indus umfasste.
Nach dem Tod Alexanders waren für die Geschichte Syriens die Machtkämpfe seiner Generäle von Bedeutung: die Entstehung des Reiches Syro-Mesopotamien unter Seleukos hatte zur Folge, dass die griechische Sprache über eine lange Periode zur Landessprache wurde. Auch entstand wieder der Zwist zwischen dem waldlosen Ägypten, das die Libanon-Zeder als Bauholz benötigte und andernfalls suchte das syrische Zweistromland den Zugang zum Mittelmeer.
Als Seleukos 301 die Herrschaft über Vorderasien antrat vollzog sich für die Region Syrien ein kaum zu überschätzender Schritt: die bisherige Hauptstadt Seleukeia am Tigris wurde zugunsten der Region zwischen Euphrat und Mittelmeer aufgegeben. Die städtische Neugründung fiel auf syrisches Territorium, nämlich auf Antiochia. Hiermit verbunden war eine Hellenisierung des Gebietes, was in Kultur und besonders in der Sprache ihren Niederschlag fand. Hinweis auch auf die Abfassung der christlichen Urtexte, wie die Evangelien. Eine Vielzahl von Städten wurde gegründet. Die Religion wurde ebenfalls durch die neuen hellenistischen und die alten traditionellen Götter geprägt.
Romanisierung Syriens: Durch seine mediterrane Randlage wurde die Region Syrien wie bereits häufig in der Geschichte eine Begehrlichkeit der Mächtigen. Rom konnte durch die Herrschaft über Syrien den Mittelmeerraum vollständig umschließen aber auch die Parther (Region des heutigen Persiens) wollten ein asiatisches Großreich, das den Zugang zum Mittelmeer einschloss. Der Machtanspruch Roms vollzog sich durch den Marsch POMPEIUS nach Palästina 64/63 vor Chr. Es folgten jahrhundertelange Auseinandersetzungen , doch konnte keine Seite die jeweils eroberten Gebiete dauerhaft halten. Erst im 2. nachchristlichen Jahrhundert wurde Syrien tatsächlich eine römische Provinz. Alte seleukidische Zentren, wie Antiochia und Apameia erhielten im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs jene Prachtausstattung, deren Glanz auch heute noch beeindruckt
Die Bekehrung des Saulus zu Paulus soll in der Nähe von Damaskus und zwar in den Jahren 37/38 nach Chr. stattgefunden haben. Die Apostelgeschichte berichtet darüber in Kap. 9 Vers 3 - 6 wie folgt: "Als er aber auf dem Weg war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?
Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst."
Die militärischen Schwierigkeiten ROMS in den europäischen Grenzgebieten erlaubten es der Oasen- und Karawanenstadt PALMYRA - auf halben Wege zwischen Mittelmeer und Euphrat gelegen - unter ihrer Königin Zenobia im Jahre 271 n. Chr. sich von Rom unabhängig zu erklären, nachdem sie Teile Kleinasiens und sogar Ägypten erobert hatte. Erst das militärische Intervenieren von Kaiser Aurelian führte in einem groß angelegtem Feldzug zur Niederwerfung Palmyras und dessen Zerstörung im Jahre 272.
Die intensive römische Bautätigkeit befindet sich verständlicherweise an den strategisch und wirtschaftlich bedeutsamen Standorten, wo römische Siedler oder Truppen ansässig waren. Die Theaterbauten wurden im Halbkreis errichtet und nicht als Amphitheater im Rundbau. Neben Palmyra in der Wüste, Apameia an der Nord-Südachse im fruchtbaren Flusstal des ORONTES soll auch BOSRA im Süden von Damaskus an der heutigen Grenze zu Jordanien hervorgehoben werden.
Wenn man seit Kaiser Augustus von einer vorherrschenden römischen Kultur und Zivilisation sprechen konnte, setzte sich nach Trajan eine gegenläufige Entwicklung durch: das "alternde Imperium Romanum" wurde orientalisiert, und zwar ausgehend vom kultisch-religiösen Bereich. Es fand ihren Ausdruck in der Wiederaufnahme hellenistischer Traditionen und der Beständigkeit syrischer Gottesverehrungen. Selbst AURELIAN opferte nach seinem Sieg über Palmyra dem Sonnengott Sol Invictus und erhob den orientalischen Sonnenkult erneut zur Reichsreligion. Das bedeutet aber auch, dass die schwächelnde Staatsgewalt sich den bisherigen Traditionen, was den verschiedenen Herkünften der Legionen entsprach, anpassen musste.
Syrien und die Spätantike: Die konstantinische Reorganisation des Vorderen Orients blieb im großen Ganzen bis zur arabischen Eroberung maßgebend. Die taktische Abgrenzung durch dem Limes an Euphrat und Tigris ermöglichte es Byzanz, die jeweiligen Angriffe aus dem Osten abzuwehren. Aus militärischer Schwäche bediente sich Ostrom christianisierter Araberstämme zur Verteidigung der Wüstengrenzen. Aber auch die Perser wandten diese Taktik an, indem sie auch arabische Stämme zur Verteidigung ihrer östlichen Grenzregionen einsetzten. Hier zeichnet sich eine wesentliche historische Entwicklung ab: die jeweiligen arabischen Stämme erscheinen als Vorboten der Arabertums, das im 7. Jh. im Zeichen des Islams stehen sollte. Mit dem Islam erhielt die in der Region Syrien immer noch verwurzelte orientalische Tradition einen idiologischen Inhalt, aus der sich das schnelle moslemische Ausbreiten und die fast widerstandslosen Übergabe der Städte zu erklären sind.
Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass Byzanz und Persien/Sassiniden 591 einen Frieden geschlossen hatten, der aber 20 Jahre später durch einen folgenschweren Angriff der Perser auf Syrien gebrochen wurde, wobei Antiochia und Damaskus erobert wurden - hunderttausende von Olivenbäumen und Rebstöcken wurden abgeholzt - und im Jahr 614 standen die Perser vor Jerusalem. 627 gelingt es Heraklios , die Perser noch einmal zu bezwingen, aber die Region Syrien sollte sich wirtschaftlich und kulturell von diesen Folgen nicht mehr erholen. Auch dort, wo die Perser das Land nicht besetzt hatten, brach die Wirtschaft zusammen. Die Entvölkerung von wirtschaftlich blühenden Gegenden, wie Apameia und Antiochia sprechen eine deutliche Sprache. Hinweis auf die 400 verlassenen Städte ca. 650 noch in byzantinischer Zeit.
Arabersturm und die Omayyaden: Die arabische Eroberung Syriens in den Jahren 631 bis 637 war, wie bereits angesprochen, nicht die erste Konfrontation zwischen Byzanz und den Arabern. Auch die religiösen Bedingungen in Syrien spielten eine entscheidende Rolle: Viele Christen empfanden die moslemische Eroberung als eine Befreiung von der Unterdrückung im religiösen wie auch fiskalischen Bereich durch das orthodoxe Byzanz. Die äußeren Gegebenheiten für eine Invasion waren daher äußerst günstig. Dazu kam das missionarische Sendungsbewußtsein der Araber, die Tradition der alten regionalen Kulturen mit neuen Inhalten auszufüllen wussten.
Byzanz versuchte noch einmal die Araber zurückzuwerfen. Jedoch in der Schlacht am YARMUK erlitt es im Jahre 636 eine vernichtende Niederlage. In kürzester Zeit besetzten die islamischen Truppen ganz Syrien , wobei die arabische Bevölkerungsstruktur durchaus hilfreich war. Der islamische Vormarsch kam überall dort an seine Grenzen, wo andere ethnischen Strukturen herrschten. Aber auch beispielsweise Palästina konnte schließlich den Druck nicht aushalten, so dass Jerusalem im Jahre 638 in die Hände der Araber fiel.
Der relativ leichte Machtwechsel im syrischen Raum ging jedoch zu Lasten der Islamisierung, da die christlichen Traditionen weiterlebten.
Der auch bis heute andauernde Streit zwischen Sunniten und Schiiten führte damals zu einem Machtwechsel zugunsten des Gebietes des heutigen Iraks (Abbasiden) mit den neuen Hauptstädten Kufa, Bagdad und Samara. Die Beteiligung persischer Truppen beim Sieg über die Omayyaden bedeutete auch für Syrien einen Wandel der Gesellschaftsstruktur.
Politische Wirren in der islamischen Welt bewirkten, dass wieder von außen in ein Machtvakuum vorgestoßen wurde: aus den zentralasiatischen Steppen drängten die Seldschucken in den Nahen Osten, die besonders gegen Byzanz Front machten. 1070 fiel Jerusalem an die Seldschucken, 1076 wurde Damaskus erobert und 1094 wurde die seldschuckische Dynastie von Aleppo gegründet.
Die abermals zerrütteten islamischen Machtverhältnisse luden um 1100 das abendländische Christentum dazu ein, den bisher verlorenen Raum um die heiligen Stätten des Nahen Osten zurück zu erobern. Mit den Kreuzzügen in den Jahren 1096 bis 1291 wurde versucht, in das Machtvakuum vorzustoßen, was aber schließlich nicht erfolgreich geendet hat.
Noch während der Zeit der Kreuzzüge begannen für Syrien aufgrund der strategischen Lage die verheerenden Mongolen-Einfälle. 1299 war Syrien in mongolischer Hand. Als nach einer Zeit der Ruhe um 1400 die Mongolen erneut in den syrischen Raum einfielen und das geschwächte Damaskus plünderten begann für die Region ein unaufhaltsamer Niedergang, zumal die waffenfähigen Männer von den Mongolen nach Zentralasien verschleppt wurden. Als Folge der Eroberung des islamischen Ostens (Iran und Irak) durch die Mongolen und der politischen Wende in Spanien, also dem islamischen Westen, flüchteten viele moslemische Gelehrte nach Syrien. Damit wurde Syrien erneut zu einem Schmelztiegel der arabisch-islamischen Kultur.
Nachdem portugiesische Seefahrer durch das Umsegeln von Afrika den Seeweg nach Indien entdeckt hatten, ging dem Nahe Osten sein Stellenwert als Umschlagplatz des Fernhandels auf dem Landweg verloren. Insbesondere zum Nachteil der Seidenstraße: gefahrvolle Wege mit vielen Zollabgaben und die Durchfahrt durch politisch unsichere Gebiete waren nicht mehrerforderlich.
Nach 1516 wurden Ägypten und Syrien nahezu kampflos dem osmanischen Reich eingegliedert und Syrien wurde organisatorisch in 4 Provinzen verwaltet. Durch die Integration in das osmanische Reich wurde Syrien wegen seiner geographischen Lage wieder ein bedeutsames Transitland. Große Warenlager in Aleppo und Damaskus sowie Karawanenstationen an den Verkehrswegen in den Mittleren Osten machten diese Entwicklung deutlich.
Europäischer Kolonialismus und Nationalstaat Syrien
Mit dem militärischen Vorrückens Napoleons nach Ägypten und in den Nahen Osten griff Europa erneut nach dem Orient, es war, wie bereits früher dargestellt, nach Alexander dem Großen, Pompeius und den Kreuzrittern der vierte Versuch, im Nahen Osten Macht zu entfalten. Auch während des 1. Weltkrieges wurde Syrien für die osmanisch-deutschen Truppen strategisch wichtig wegen des Zugangs zum Suez-Kanal. Noch während des Krieges begann die Geheimdiplomatie über die politische Aufteilung des Nahen Ostens. Kraft ihrer militärischen Überlegenheit ignorierten Frankreich und Großbritannien alle geheimen Absprachen. Sie verlangten und erhielten den Nahen Osten als Mandatsgebiete des Völkerbundes. Die arabischen Länder ihrerseits hatten einen einheitlichen arabischen Staat angestrebt, erhielten aber nur Regionalstaaten mit willkürlich gezogenen Grenzen. Frankreich besetzte bereits 1920 das Gebiet Syriens, den nordischen Distrikt von Alexandrette hatte Frankreich an die Türkei abgetreten, was Syrien bis heute politisch nicht akzeptiert hat. Formell wurde Syrien 1941 unabhängig.
Die willkürlichen politischen Entscheidungen der Franzosen und Briten mussten innere Unruhen in der Region nach sich ziehen. Die angestrebten Föderationen von Syrien mit Ägypten sogar Syrien mit Irak und Jordanien mit dem Irak waren nur von kurzer Dauer. Nach diesem Scheitern von panarabischen Bestrebungen setzte sich in Syrien ein nationalstaatliches Denken durch. Die aktuelle Situation Syriens ist bestimmt durch das politische Verhältnis zu Israel: die im Krieg verlorenen Gollan-Höhen und die mit dem Palästinenser-Problem verbundene Flüchtlingsfrage markieren das politische Thema. Es soll aber nicht vergessen werden, dass Syrien seinerseits einen starken politischen Druck auf den Libanon durch die 30-järige Besetzung der Beeka-Ebene ausgeübt hat und auch heute noch dort politischen Einfluss ausübt. Die Folgen des Irakkrieges haben diese Probleme noch weiter vergrößert.
Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass die vielschichtigen Probleme der Region nur auf dem Verhandlungswege mit den politischen Schwergewichten, wie Saudi-Arabien, dem Iran, den USA, Russland und der Europäischen Union gelöst werden können.
Die Zisterzienser und der Weinbau am Siebengebirge
Referat im Rahmen des Männerfrühstücks
Der Bericht wurde von Winfried pernau bereitgestellt. Die Ausführungen nehmen im wesentlichen Bezug auf die Darstellung von Martin Pflaum, Heft 54 des Landschaftsverbandes Rheinland, Umweltamt, Seite 49 ff..Die folgende Darstellung über die Zisterzienser und den Weinbau am Siebengebirge soll sich an den historischen Abläufen orientieren.
Zuerst ein Hinweis auf auf den Begriff Siebengebirge, wobei die Erklärungen für den Namensursprung sehr unterschiedlich sind. Die Version, die mir am verständlichsten erscheint, folgende ist: die Sakralbedeutung der Zahl Sieben bezieht sich auf eine Vision der Mönche vom Kloster Heisterbach. Gemeint sind damit die sieben Tugenden, wie Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit,Starkmut und die übernatürlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Auch die Schöpfung der Erde wird mit 7 Tagen beschrieben, die Woche hat 7 Tage und der Regenbogen besteht aus 7 Farben. Dagegen erscheinen die Deutungen von "Siefen" für Regen oder der Bezug auf die Anzahl von 7 Bergen als sehr willkürlich.( Hermann Müller-Karpe: Der Ölberg im Siebengebirge als christliches Symbol, Rheinlandia Verlag Siegburg)
Über den Weinbau am Rhein gibt es keine gesicherten Aufzeichnungen. Bereits der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius TACITUS ( 55 - 116 nach Chr. ) berichtet in seinem Agricola Germania Dialogus darüber, dass die am Rhein lebenden Germanen in seiner Zeit Weinbau betrieben hatten. Im 1. Jh. nach Chr. wurde der römische Weinhandel intensiv ausgedehnt, weil damals die Nachfrage das Angebot wesentlich überstieg. Der Export ging weit in die germanischen Gebiete. Der römische Kaiser PROBUS ( 276 - 282 )förderte den Weinbau auch dadurch,
dass er bereits bestehende Weinbaubeschränkungen aufhob. Darüber hinaus intensivierte Probus den Weinbau dadurch, dass er pensionierte Legionäre als Weinbaulehrer für die Einheimischen ausbildete. Daher stammen viele Fachbegriffe des Weinbaus aus der lateinischen Sprache. Beispielsweise Wein von vinum, Most von mustum und Küfer von cuparius. Auch der Ortsname von Königswinter
( früher: Winteren) geht auf den Weinbau zurück.Von den ripuarischen Franken ( Region Mittelrhein und Köln ) wird berichtet, dass sie bereits im 4. Jahrhundert am Siebengebirge Weinbau betrieben haben. Später förderten besonders die Karolinger ( 614 - 1012 ) den Weinbau. Während dieser Zeit gingen viele Weinberge in das Eigentum geistlicher oder weltlicher Grundbesitzer über. Anstoß hierfür waren nicht nur lithurgische Zwecke, sondern vielmehr die wachsende Bedeutung des Weines als Handelsware.
Der Beginn des 12. Jahrhunderts war auch die Periode der Klostergründungen.
Und somit sind wir jetzt im engeren Bereich unseres Themas: Im Siebengebirge wurde von den Zisterziensern im Jahre 1134 das Kloster auf dem Stromberg, dem heutigen Petersberg, gegründet. Ursprünglich stammten die Mönche aus dem Kloster Himmerod in der Eifel. Wegen der ungünstigen Lebensbedingungen wurde dieser Standort aufgegeben und im Jahre 1192 das Kloster in Heisterbach aufgebaut. Nach einer Bauzeit von nur 35 Jahren war die für die damalige Verhältnisse sehr große Abteikirche im Jahre 1237 fertig gestellt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erlebte die Abtei eine glanzvolle Epoche. Landwirtschaft und Weinbau blühten auf. Ein schwungvoller Handel und günstige Umstände trugen im wesentlichen zum Wohlstand des Klosters bei. Die Reformation und der 30-jährige Krieg ließen diese positive Entwicklung ins Stocken geraten. In dieser Zeit beginnt auch hier ein intensiver und systematischer Weinbau. Der erste geschichtlich gesicherte Nachweis des Weinbaus am Siebengebirge geht auf das 9. und 10. Jahrhundert zurück. Beispielweise erwarb das Bonner Cassiusstift einen Weinberg in Winteren,
dem heutigen Königswinter.Man gestatte ich mir an dieser Stelle einen kurzen historischen Ausflug zum Ursprung und der Entwicklung der Zisterzienser:
Im Jahre 1098 gründete ROBERT von MOLESME das Mutterkloster der Zisterzienser in CITEAU im heutigen französischem Departemnet Côte d´Or,
der Gegend hervorragender Burgunderweine zwischen Beaune und Dijon. Geistlicher Inhalt dieser Mönche war es, sich auf die strengen Regeln des Mönchtums, nämlich das Schweigen, die Einsamkeit und die Einhaltung der Benediktusregeln zu besinnen. Ihren Lebensunterhalt wollten sie durch ihrer
Hände Arbeit und nicht durch den Empfang des Zehnten bestreiten. Für die tatsächliche Verbreitung des Ordens hat sich Bernhard von Clairveaux, der im Jahre 1113 in den Orden eintrat, verdient gemacht. Er hat durch seine Tätigkeit bewirkt, dass bis zu seinem Ableben im Jahre 1153 in ganz Europa 343 Klöster des Ordens bestanden.Zurück zu den Zisterzienser in Heisterbach: Im Jahre 1793 verlor das Kloster seine linksrheinischen Besitzungen und im Rahmen der Säkularisierung im Jahre 1803 wurde das Kloster aufgehoben.
Jetzt zu dem besonderen Bezug des Klosters zum lokalen Weinbau:
wie bereits ausgeführt, war der Orden zum Eigenbetrieb seiner Ländereien verpflichtet. Daher ließ man seine zahlreichen Weinberge, u.a. auch das sogen. "Pfaffenröttchen", ein Weinberg in Niederdollendorf, dem heutigen Jugendhof Rheinland, -worüber im 2. Teil des Referates gesprochen werden soll-, durch Laienbrüder bewirtschaften. Der Name weist bereits darauf hin, dass das Gelände ursprünglich von geistlichen Eigentümern gerodet worden ist. Die Liegenschaft wurde vermutlich vor 1200 in Erbpacht an das erst einige Jahre zuvor gegründete Kloster Heisterbach gegeben. Erst im 17. Jh. wurde das Gelände käuflich erworben. Nach zahlreichen weiteren Erwerbungen war das Kloster im ausgehenden 18. Jh. größter Eigentümer von Grundstücken und auch von Weinbauflächen.
Der Gesamtbesitz der Abtei an land- und forstwirtschaftlichen Flächen betrug damals über 16 qkm.Im Jahre 1796 besetzten die Franzosen das Rheinland und die Folgen der französischen Revolution brachten auch für den hiesigen Weinbau große Veränderungen mit sich. Durch die Säkularisierung wurde das Kloster, wie bereits erwähnt, aufgehoben, womit auch das Eigentum an den Weinbergen verloren ging. Daraus ergab sich, dass die Weinberge im Rahmen von Versteigerungen in den Besitz vor ortsansässigen Weinbauern übergingen. Die im Code Napoleon vorgesehene Erbteilung führte im Laufe der Zeit zu einer immer größeren Zersplitterung des Grundbesitzes, womit viele Weinbaubetriebe nicht mehr wirtschaftlich geführt werden konnten.
Erst als das Rheinland in Folge des Wiener Kongresses im Jahre 1815 an Preußen kam, brachte die Eingliederung in ein größeres Wirtschaftsgebiet einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung für den Weinbau im 7-Gebirge. Zu Beginn des 20. Jh. trat ein starker Rückgang der Bedeutung des Weinbaus im 7-Gebirge ein. Neben Schädlingsbefall machten insbesondere ökonomische Gründe die bisherige Bewirtschaftung der Weinberge nicht mehr möglich. Außerdem bewirkten die ab 1890 abgeschlossenen Handelsverträge mit den Weinlieferländern, wie Frankreich, Spanien und Italien, eine zu starke Preiskonkurrenz und dadurch eine weitere Aufgabe von hiesigen Weinbaubetrieben. Außerdem bot die zunehmende Industrialisierung ein besser bezahltes Arbeitsangebot als der Weinbau es leisten konnte. Mitte der 20.Jahre begann der Weinbau in die hiesigen Region wieder an Bedeutung zu gewinnen, weil die günstigen Weinimporte weggefallen waren und der Anbau durch moderne Techniken verbessert wurde.
Der 2. Weltkrieg beendete diese Entwicklung, zumal sich die Verknappung von Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln bemerkbar machte. Außerdem forderte der kriegsbedingte Mangel an Arbeitskräften seinen Tribut. In der Nachkriegszeit konnten zahlreiche Weinberge nur noch im Nebenerwerb betrieben werden. Die wirtschaftliche Ertragslage sorgte ferner dafür, dass Betriebe aufgegeben werden mussten.
Diese Entwicklung hat auch am Weinberg "Heisterberg" nicht halt gemacht und dazu geführt, dass dieses Gelände gerade in den letzten Jahrzehnten eine abwechslungsreiche Geschichte erfahren hat. Nunmehr wird auf Initiative des Landschaftsverbandes Rheinland in Verbindung mit dem Rheinischen Verein für Denkmalspflege ein neues Kapitel mit dem Thema eines historischen Weinberges HEISTERBERG aufgeschlagen.
Beim Ökumenischen Gemeindefest findet jeder ein trockenes PlätzchenWie in einem gemütlichen Cafe konnten sich die Besucher beim ökumenischen Fest der Stieldorfer Kirchengemeinden im August fühlen. Anstelle der gewohnten Stühle standen im evangelischen Gotteshaus Biertische in langen Reihen nebeneinander, und am Altar lockte ein opulentes Kuchenbuffet. Dabei war der Umzug in die Kirche nur eine Notlösung, denn eigentlich war ein Gemeindefest rund um das Gotteshaus geplant. Doch aufgrund des schlechten Wetters mussten die Organisatoren umplanen. Und fanden nicht nur für die Kaffeetafel, sondern auch für das vielfältige Angebot vom Eine-Welt-Stand über Aktionen für ein Waisenhaus in Burkina Faso bis zu den zahlreichen Aktivitäten für Kinder ein trockenes Plätzchen. Eröffnet wurde das Fest mit einem Gottesdienst in der katholischen Kirche, bei dem erstmals die Chöre beider Gemeinden gemeinsam musizierten. Die folgenden Fotos zeigen einen Ausschnitt der vielfältigen Aktivitäten des Gemeindefests.
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